Defi­ni­ti­on der Fol­ter

Folter - Definition der Folter

Die UN-Anti­fol­ter­kon­ven­ti­on ent­hält in ihrem Arti­kel 1 eine Defi­ni­ti­on der Fol­ter:

Nach Arti­kel 1 der Kon­ven­ti­on ver­steht man unter Fol­ter jede Hand­lung, durch die einer Per­son vor­sätz­lich gro­ße kör­per­li­che oder see­li­sche Schmer­zen oder Lei­den zuge­fügt wer­den. Die­se Defi­ni­ti­on wird durch erklä­ren­de Bei­spie­le noch wei­ter spe­zi­fi­ziert. So muss die­se Schmer­zen bzw. Lei­den zufüh­ren­de Hand­lung erfol­gen:

  • z. Bsp. um von der Per­son oder einem Drit­ten eine Aus­sa­ge oder ein Geständ­nis zu erlan­gen,
  • um sie für eine tat­säch­lich oder mut­maß­lich von ihr oder einem Drit­ten began­ge­ne Tat zu bestra­fen,
  • um sie oder einen Drit­ten ein­zu­schüch­tern oder zu nöti­gen
  • oder aus einem ande­ren, auf irgend­ei­ner Art von Dis­kri­mi­nie­run­gen beru­hen­den Grund.

Dabei ist aller­dings Vor­aus­set­zung nach Arti­kel 1, dass

  • die­se Schmer­zen oder Lei­den von einem Ange­hö­ri­gen des öffent­li­chen Diens­tes
  • oder einer ande­ren in amt­li­cher Eigen­schaft han­deln­den Per­son,
  • auf deren Ver­an­las­sung
  • oder mit deren aus­drück­li­chem oder still­schwei­gen­dem Ein­ver­ständ­nis

ver­ur­sacht wer­den.

Unter dem Begriff Fol­ter sind gemäß Arti­kel 1 Satz 2 kei­ne Schmer­zen oder Lei­den mit­um­fasst, die sich ledig­lich aus gesetz­lich zuläs­si­gen Sank­tio­nen erge­ben, dazu gehö­ren oder damit ver­bun­den sind.

Arti­kel 1 Abs. 1 CAT legt test, was “Fol­ter” im Sin­ne der UN-Anti­fol­ter­kon­ven­ti­on ist. Dabei umschreibt Satz 1 die Fol­ter in Anleh­nung an den Fol­ter­be­griff, der schon in Arti­kel 1 der Fol­ter-Dekla­ra­ti­on vom 9. Dezem­ber 1975 gege­ben wur­de, als Zufü­gung gro­ßer kör­per­li­cher oder see­li­scher Schmer­zen, die von einem Amts­trä­ger – also einem Ange­hö­ri­gen des öffent­li­chen Diens­tes oder von einer ande­ren in amt­li­cher Eigen­schaft han­deln­den Per­son – selbst, auf des­sen Ver­an­las­sung oder mit des­sen aus­drück­li­chem oder still­schwei­gen­dem Ein­ver­ständ­nis ver­ur­sacht wer­den. Die in Art. 1 Abs. 1 Satz 1 CAT genann­ten Zwe­cke der Lei­dens­s­zu­fü­gung (Erlan­gung eines Geständ­nis­ses oder einer Aus­sa­ge, Bestra­fung, Ein­schüch­te­rung oder Nötlgung) haben nur bei­spiel­haf­ten Cha­rak­ter.

Die Anwen­dung des Begriffs der Fol­ter kann im kon­kre­ten Fall schwie­ri­ge Abgren­zungs­tra­gen auf­wer­fen. Dies ist frei­lich kein Pro­blem der UN-Anti­fol­ter­kon­ven­ti­on, son­dern des inso­weit unschar­fen Begriffs der “Fol­ter”. Die in Arti­kel 1 Abs. 1 Satz 1 CAT gege­be­ne Defini­ti­on grenzt die Fol­ter nicht klar von ande­ren Miss­hand­lun­gen ab, weil die Fra­ge, ob eine Lei­dens­zu­fü­gung “groß” ist, je nach eige­nem Wer­te- und Erfah­rungs­ho­ri­zont unter­schied­lich beur­teilt wer­den kann.

Eine Ver­an­schau­li­chung des­sen, wel­che Fol­ter­prak­ti­ken die UN-Anti­fol­ter­kon­ven­ti­on meint, ergibt sich aus dem Bericht vom 9. Febru­ar 1986, den der von der UN-Men­schen­rechts­kom­mis­si­on ernann­te Son­der­be­richt­erstat­ter (“,Spe­cial Rap­por­teur”) P. Kooij­mans vor­ge­legt1 und mit dem er auf­trags­ge­mäß über die heu­te noch in ver­schie­de­nen Staa­ten bestehen­den Fol­ter­prak­ti­ken berich­tet hat, um deren Bekämp­fung es der UN-Anti­fol­ter­kon­ven­ti­on nach der Aus­sa­ge in ihrer Prä­am­bel geht.

Aus den dort ange­führ­ten Bei­spie­len ergibt sich, dass der Typ von Miss­hand­lung, der dem Fol­ter­be­griff im Sin­ne des Arti­kels 1 Abs. 1 Satz 1 CAT unter­fällt, vor­aus­setzt, dass der Miss­han­del­te ziel­ge­rich­te­ten Quä­le­rei­en aus­ge­setzt wor­den ist, die von erheb­li­cher Inten­si­tät der Lei­dens­zu­fü­gung bestimmt sind, wie sie in den im Bericht genann­ten Fol­ter­me­tho­den (z. B. dau­em­der Schlaf­ent­zug) oder ähn­li­chen Prak­ti­ken zuta­ge tritt. Schlech­te Haft­be­din­gun­gen allein erfül­len dage­gen den Tat­be­stand der Fol­ter im Sin­ne des Arti­kels 1 regel­mä­ßig nicht.

Die Defini­ti­on der Fol­ter macht fer­ner deut­lich, dass Fol­ter­mass­nah­men dem Staat zure­chen­bar sein müs­sen.

Von der Fol­ter zu unter­schei­den sind fer­ner die ande­ren, eine grau­sa­me, unmensch­li­che oder ernied­ri­gen­de Behand­lung oder Stra­fe dar­stel­len­den Hand­lun­gen, die in Arti­kel 16 der UN-Anti­fol­ter­kon­ven­ti­on behan­delt wer­den.

Kri­tik

Gera­de an der Ein­schrän­kung der Fol­ter im Hin­blick auf den Ver­ur­sa­cher, dass die Schmer­zen oder Lei­den von einem Ange­hö­ri­gen des öffent­li­chen Diens­tes oder einer ande­ren in amt­li­cher Eigen­schaft han­deln­den Per­son, auf deren Ver­an­las­sung oder mit deren aus­drück­li­chem oder still­schwei­gen­dem Ein­ver­ständ­nis ver­ur­sacht sein muss, wird viel­fach kri­ti­siert. Dar­aus ist zu fol­gern, dass Fol­ter nur durch einen funk­tio­nie­ren­den Staat ver­ur­sacht wer­den kann und die Fol­ter eines sich in Auf­lö­sung befind­li­chen Staa­tes (z.Bsp. im Bür­ger­krieg) die­se UN-Kon­ven­ti­on nicht mehr ver­letzt.

Als nega­tiv wird von Kri­ti­kern auch die Aus­nah­me bewer­tet, dass Schmer­zen und Lei­den, die sich ledig­lich aus gesetz­lich zuläs­si­gen Sank­tio­nen erge­ben, dazu gehö­ren oder damit ver­bun­den sind, den Staa­ten nicht als Fol­ter ange­las­tet wer­den, die in ihren Geset­zen z. Bsp. das Aus­peit­schen als Bestra­fung noch vor­se­hen.

Wei­ter­hin wird häu­fig kri­ti­siert, dass die Anti­fol­ter­kon­ven­ti­on von den Ver­trags­staa­ten gekün­digt wer­den kann nach Arti­kel 31, mit der Fol­ge der “Macht­lo­sig­keit” gegen ein Fol­ter­re­gime.

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Arti­kel 1

  1. Im Sin­ne die­ses Übereinkom­mens beze­ich­net der Aus­druck «Fol­ter» jede Hand­lung, durch die einer Per­son vorsät­zlich gros­se kör­per­liche oder seel­is­che Schmer­zen oder Lei­den zuge­fügt wer­den, zum Bei­spiel um von ihr oder einem Drit­ten eine Aus­sage oder ein Geständ­nis zu erlan­gen, um sie für eine tat­säch­lich oder mut­masslich von ihr oder einem Drit­ten began­gene Tat zu bestra­fen, um sie oder einen Drit­ten ein­zu­schüch­tern oder zu nöti­gen oder aus einem ande­ren, auf irgen­deiner Art von Diskri­m­inierung beruhen­den Grund, wenn die­se Schmer­zen oder Lei­den von einem Ange­höri­gen des öffent­li­chen Dien­stes oder einer ande­ren in amt­li­cher Eigen­schaft han­del­nden Per­son, auf deren Ver­an­las­sung oder mit deren aus­drück­lichem oder stillschweigen­dem Ein­ver­ständ­nis verur­sacht wer­den. Der Aus­druck umfasst nicht Schmer­zen oder Lei­den, die sich ledig­lich aus geset­zlich zuläs­si­gen Sank­tio­nen erge­ben, dazu gehö­ren oder damit ver­bun­den sind.
  2. Die­ser Arti­kel lässt alle inter­na­tionalen Übereinkün­fte oder inner­staatlichen Rechts­vor­schrif­ten unbe­rührt, die weit­erge­hende Bes­tim­mungen ent­hal­ten.
  1. UN-Doku­ment E/CN.4/1986/15 []

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