Ent­ste­hung und Inhalt des Fakul­ta­tiv­pro­to­kolls

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Durch das Fakul­ta­tiv­pro­to­koll wird das Über­ein­kom­men gegen Fol­ter und ande­re grau­sa­me, unmensch­li­che oder ernied­ri­gen­de Behand­lung oder Stra­fe dahin­ge­hend ergänzt, dass dadurch die Ver­hü­tung von Fol­ter mit Hil­fe eines Inspek­ti­ons­sys­tems unter­stützt wer­den soll.

Nach dem Vor­bild der Inspek­tio­nen von Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­gern des Inter­na­tio­na­len Komi­tees vom Roten Kreuz hat­te der Schwei­zer Jean-Jac­ques Gau­tier bereits 1977 sein “Schwei­ze­ri­sches Komi­tee zur Ver­hü­tung von Fol­ter” gegrün­det, mit dem welt­wei­tes Besuchs­sys­tem an allen Haft­or­ten ein­ge­führt wer­den soll­te. Es gelang den Ver­ein­ten Natio­nen nicht, die­ses Sys­tem bei der Anti­fol­ter­kon­ven­ti­on mit auf­zu­neh­men. Für die Ver­an­ke­rung in dem dafür vor­ge­se­he­nen Fakul­ta­tiv­pro­to­koll fehl­te die erfor­der­li­che Mehr­heit, so dass ledig­lich die eigent­li­che Anti­fol­ter­kon­ven­ti­on ver­ab­schie­det wer­den konn­te.

Par­al­lel dazu ent­wi­ckel­te sich die Fol­ter­prä­ven­ti­on in Euro­pa, denn hier ist mit der Ver­ab­schie­dung der Euro­päi­schen Anti­fol­ter­kon­ven­ti­on (Euro­päi­sches Über­ein­kom­men zur Ver­hü­tung von Fol­ter und unmensch­li­cher oder ernied­ri­gen­der Behand­lung oder Stra­fe) am 26. Novem­ber 1987 ein Inspek­ti­ons­sys­tem für alle Haft­or­te umge­setzt wor­den.

Bei den Ver­ein­ten Natio­nen hat­te der Aus­schuss gegen Fol­ter auf der Grund­la­ge der UN-Ant­fol­ter­kon­ven­ti­on nur mil­de Mit­tel zur Bekämp­fung und Ver­hü­tung der Fol­ter zur Ver­fü­gung. Bei der ihm oblie­gen­den Auf­ga­be der Prü­fung der Staa­ten­be­rich­te war er auf die Geneh­mi­gung des betref­fen­den Staa­tes ange­wie­sen, wenn er das Land besu­chen woll­te oder gar vor Ort Unter­su­chun­gen vor­neh­men woll­te. Eben­so war der Son­der­be­richt­erstat­ter bei sei­nen Besu­chen auf das Ein­ver­ständ­nis des jewei­li­gen Staa­tes ange­wie­sen.

Mit den posi­ti­ven Erfah­run­gen der Euro­pä­er bei der Pra­xis ihres Inspek­ti­ons­sys­tems vor Augen, ist für das Fakul­ta­tiv­pro­to­koll bei den Ver­ein­ten Natio­nen doch noch eine Mehr­heit zustan­de gekom­men, so dass es am 18. Dezem­ber 2002 von der Gene­ral­ver­samm­lung ver­ab­schie­det wer­den konn­te und am 22. Juni 2006 in Kraft getre­ten ist.

Mit dem Zusatz­pro­to­koll soll Fol­ter ver­hin­dert wer­den. Dazu dient nach Arti­kel 1 ein Sys­tem regel­mä­ßi­ger Besu­che durch unab­hän­gi­ge inter­na­tio­na­le und natio­na­le Insti­tu­tio­nen an allen Orten, an denen Per­so­nen die Frei­heit ent­zo­gen ist. Durch­füh­ren soll die­se Auf­ga­be ein Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on (Sub­com­mit­tee on Pre­ven­ti­on of Tor­tu­re; SPT) gemäß Arti­kel 2. Dabei ver­pflich­ten sich die Ver­trags­staa­ten dazu, dem Unter­aus­schuss nach Arti­kel 14 u.a. zu ermög­li­chen:

  • unbe­schränk­ten Zugang zu allen Infor­ma­tio­nen über Haft­or­te
  • unbe­schränk­ten Zugang zu die­sen Haft­or­ten selbst und
  • Gele­gen­heit mit Gefan­ge­nen unbe­auf­sich­tigt zu spre­chen.

Dar­über hin­aus ver­pflich­tet sich gemäß Arti­kel 3 jeder Ver­trags­staat zu einem natio­na­len Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­mus. Dafür hat er auf inner­staat­li­cher Ebe­ne eine oder meh­re­re Stel­len zu bil­den, bestim­men oder unter­hal­ten, die zur Ver­hin­de­rung von Fol­ter und ande­rer grau­sa­mer, unmensch­li­cher oder ernied­ri­gen­der Behand­lung oder Stra­fe Besu­che durch­füh­ren.

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