Fakul­ta­tiv­pro­to­koll zum Über­ein­kom­men gegen Fol­ter

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Fakul­ta­tiv­pro­to­koll zum Über­ein­kom­men gegen Fol­ter und ande­re grau­sa­me, unmensch­li­che oder ernied­ri­gen­de Behand­lung oder Stra­fe vom 18. Dezem­ber 2002

Prä­am­bel

Die Ver­trags­staa­ten die­ses Pro­to­kolls,

in Bekräf­ti­gung der Tat­sa­che, dass Fol­ter und ande­re grau­sa­me, unmensch­li­che oder ernied­ri­gen­de Behand­lung oder Stra­fe ver­bo­ten sind und schwe­re Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen dar­stel­len,

über­zeugt, dass wei­te­re Mass­nah­men erfor­der­lich sind, um die Zie­le des Über­ein­kom­mens gegen Fol­ter und ande­re grau­sa­me, unmensch­li­che oder ernied­ri­gen­de Behand­lung oder Strafe3 (im Fol­gen­den als «das Über­ein­kom­men» bezeich­net) zu errei­chen und den Schutz von Per­so­nen, denen die Frei­heit ent­zo­gen ist, vor Fol­ter und ande­rer grau­sa­mer, unmensch­li­cher oder ernied­ri­gen­der Behand­lung oder Stra­fe zu ver­stär­ken,

ein­ge­denk des­sen, dass jeder Ver­trags­staat nach den Arti­keln 2 und 16 des Über­ein­kom­mens ver­pflich­tet ist, wirk­sa­me Mass­nah­men zu tref­fen, um Fol­te­run­gen und ande­re grau­sa­me, unmensch­li­che oder ernied­ri­gen­de Behand­lung oder Stra­fe in allen sei­ner Hoheits­ge­walt unter­ste­hen­den Gebie­ten zu ver­hin­dern,

in der Erkennt­nis, dass für die Durch­füh­rung die­ser Arti­kel in ers­ter Linie die Staa­ten ver­ant­wort­lich sind, dass die Ver­stär­kung des Schut­zes von Per­so­nen, denen die Frei­heit ent­zo­gen ist, und die vol­le Ach­tung ihrer Men­schen­rech­te eine gemein­sa­me Ver­pflich­tung aller sind und dass inter­na­tio­na­le Durch­füh­rungs­or­ga­ne inner­staat­li­che Mass­nah­men ergän­zen und ver­stär­ken sol­len,

ein­ge­denk des­sen, dass die wirk­sa­me Ver­hü­tung von Fol­ter und ande­rer grau­sa­mer, unmensch­li­cher oder ernied­ri­gen­der Behand­lung oder Stra­fe Bil­dungs­mass­nah­men oder eine Kom­bi­na­ti­on ver­schie­de­ner Mass­nah­men des Gesetz­ge­bers, der Ver­wal­tung, der Gerich­te oder sons­ti­ger Art erfor­dern,

fer­ner im Hin­blick dar­auf, dass die Welt­kon­fe­renz für Men­schen­rech­te, die im Juni 1993 in Wien statt­fand, ent­schlos­sen erklär­te, dass sich die Bemü­hun­gen zur Aus­rot­tung der Fol­ter in ers­ter Linie auf die Prä­ven­ti­on kon­zen­trie­ren soll­ten, und dazu auf­rief, ein Fakul­ta­tiv­pro­to­koll zum Über­ein­kom­men zu beschlies­sen, mit dem ein auf Prä­ven­ti­on aus­ge­rich­te­tes Sys­tem regel­mäs­si­ger Besu­che von Orten der Frei­heits­ent­zie­hung ein­ge­rich­tet wer­den soll,

über­zeugt, dass der Schutz von Per­so­nen, denen die Frei­heit ent­zo­gen ist, vor Fol­ter und ande­rer grau­sa­mer, unmensch­li­cher oder ernied­ri­gen­der Behand­lung oder Stra­fe durch nicht­ge­richt­li­che Mass­nah­men vor­beu­gen­der Art, die auf regel­mäs­si­gen Besu­chen der Orte der Frei­heits­ent­zie­hung beru­hen, ver­stärkt wer­den kann,

sind wie folgt über­ein­ge­kom­men:

Teil I All­ge­mei­ne Grund­sät­ze

Arti­kel 1

Ziel die­ses Pro­to­kolls ist, ein Sys­tem regel­mäs­si­ger Besu­che ein­zu­rich­ten, die von unab­hän­gi­gen inter­na­tio­na­len und natio­na­len Gre­mi­en an Orten, an denen Per­so­nen die Frei­heit ent­zo­gen ist, durch­ge­führt wer­den, um Fol­ter und ande­re grau­sa­me, unmensch­li­che oder ernied­ri­gen­de Behand­lung oder Stra­fe zu ver­hin­dern.

Arti­kel 2

  1. Zum Aus­schuss gegen Fol­ter wird ein Unter­aus­schuss zur Ver­hü­tung von Fol­ter und ande­rer grau­sa­mer, unmensch­li­cher oder ernied­ri­gen­der Behand­lung oder Stra­fe (im Fol­gen­den als der «Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on» bezeich­net) gebil­det, der die in die­sem Pro­to­koll fest­ge­leg­ten Auf­ga­ben wahr­nimmt.
  2. Der Unter­aus­schuss für die Ver­hü­tung von Fol­ter nimmt sei­ne Auf­ga­ben im Rah­men der Char­ta der Ver­ein­ten Nationen1 wahr und lässt sich von deren Zie­len und Grund­sät­zen sowie den Nor­men der Ver­ein­ten Natio­nen für die Behand­lung von Per­so­nen, denen die Frei­heit ent­zo­gen ist, lei­ten.
  3. Der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on lässt sich eben­so von den Grund­sät­zen der Ver­trau­lich­keit, Unpar­tei­lich­keit, Nichts­e­lek­ti­vi­tät, Uni­ver­sa­li­tät und Objek­ti­vi­tät lei­ten.
  4. Der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on und die Ver­trags­staa­ten arbei­ten bei der Durch­füh­rung die­ses Pro­to­kolls zusam­men.

Arti­kel 3

Jeder Ver­trags­staat bil­det, bestimmt oder unter­hält auf inner­staat­li­cher Ebe­ne ein oder meh­re­re Gre­mi­en, die zur Ver­hü­tung von Fol­ter und ande­rer grau­sa­mer, unmensch­li­cher oder ernied­ri­gen­der Behand­lung oder Stra­fe Besu­che durch­füh­ren (im Fol­gen­den als «natio­na­ler Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­mus» bezeich­net).

Arti­kel 4

  1. Jeder Ver­trags­staat gestat­tet den in den Arti­keln 2 und 3 bezeich­ne­ten Mecha­nis­men Besu­che an allen sei­ner Hoheits­ge­walt und Kon­trol­le unter­ste­hen­den Orten, an denen Per­so­nen ent­we­der auf Grund einer Ent­schei­dung einer Behör­de oder auf deren Ver­an­las­sung oder mit deren aus­drück­li­chem oder still­schwei­gen­dem Ein­ver­ständ­nis die Frei­heit ent­zo­gen ist oder ent­zo­gen wer­den kann (im Fol­gen­den als «Orte der Frei­heits­ent­zie­hung» bezeich­net). Die­se Besu­che wer­den mit dem Ziel durch­ge­führt, erfor­der­li­chen­falls den Schutz die­ser Per­so­nen vor Fol­ter und ande­rer grau­sa­mer, unmensch­li­cher oder ernied­ri­gen­der Behand­lung oder Stra­fe zu ver­stär­ken.
  2. Im Sin­ne die­ses Pro­to­kolls bedeu­tet Frei­heits­ent­zie­hung jede Form des Fest­hal­tens oder der Inhaf­tie­rung oder die Unter­brin­gung einer Per­son in einer öffent­li­chen oder pri­va­ten Gewahr­s­am­s­ein­rich­tung, die die­se Per­son nicht nach Belie­ben ver­las­sen darf, auf Grund der Ent­schei­dung einer Justiz‑, Ver­wal­tungs- oder sons­ti­gen Behör­de.

Teil II Der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on

Arti­kel 5

  1. Der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on besteht aus zehn Mit­glie­dern. Nach der fünf­zigs­ten Rati­fi­ka­ti­on die­ses Pro­to­kolls oder dem fünf­zigs­ten Bei­tritt dazu steigt die Zahl der Mit­glie­der des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on auf fünf­und­zwan­zig.
  2. Die Mit­glie­der des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on wer­den unter Per­sön­lich­kei­ten von hohem sitt­li­chem Anse­hen aus­ge­wählt, die beruf­li­che Erfah­rung auf dem Gebiet der Rechts­pfle­ge, ins­be­son­de­re der Straf­rechts­pfle­ge, des Straf­voll­zugs oder der Poli­zei­ver­wal­tung oder auf den ver­schie­de­nen Gebie­ten, die für die Behand­lung von Per­so­nen, denen die Frei­heit ent­zo­gen ist, von Bedeu­tung sind, vor­wei­sen kön­nen.
  3. Bei der Zusam­men­set­zung des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on sind eine aus­ge­wo­ge­ne geo­gra­fi­sche Ver­tei­lung und die Ver­tre­tung der ver­schie­de­nen Zivi­li­sa­ti­ons­for­men und Rechts­ord­nun­gen der Ver­trags­staa­ten gebüh­rend zu berück­sich­ti­gen.
  4. Bei der Zusam­men­set­zung ist fer­ner eine aus­ge­wo­ge­ne Ver­tre­tung der Geschlech­ter auf der Grund­la­ge der Grund­sät­ze der Gleich­stel­lung und Nicht­dis­kri­mi­nie­rung zu berück­sich­ti­gen.
  5. Dem Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on darf jeweils nur ein Ange­hö­ri­ger des­sel­ben Staa­tes ange­hö­ren.
  6. Die Mit­glie­der des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on sind in per­sön­li­cher Eigen­schaft tätig; sie müs­sen unab­hän­gig und unpar­tei­isch sein und dem Unter­aus­schuss zur wirk­sa­men Mit­ar­beit zur Ver­fü­gung ste­hen.

Arti­kel 6

  1. Jeder Ver­trags­staat darf nach Absatz 2 bis zu zwei Kan­di­da­ten vor­schla­gen, die über die Befä­hi­gun­gen ver­fü­gen und die Vor­aus­set­zun­gen erfül­len, die in Arti­kel 5 beschrie­ben sind; mit sei­nem Vor­schlag über­mit­telt er nähe­re Anga­ben zur Befä­hi­gung der Kan­di­da­ten.
    1. Die Kan­di­da­ten müs­sen Staats­an­ge­hö­ri­ge eines Ver­trags­staa­tes die­ses Pro­to­kolls sein;
    2. min­des­tens einer der bei­den Kan­di­da­ten muss ein Staats­an­ge­hö­ri­ger des vor­schla­gen­den Ver­trags­staa­tes sein;
    3. es dür­fen nicht mehr als zwei Staats­an­ge­hö­ri­ge eines Ver­trags­staa­tes vor­ge­schla­gen wer­den;
    4. bevor ein Ver­trags­staat einen Staats­an­ge­hö­ri­gen eines ande­ren Ver­trags­staa­tes vor­schlägt, holt er die Zustim­mung des betref­fen­den Ver­trags­staa­tes ein.
  2. Spä­tes­tens fünf Mona­te vor der Ver­samm­lung der Ver­trags­staa­ten, bei der die Wahl statt­fin­det, for­dert der Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen die Ver­trags­staa­ten schrift­lich auf, inner­halb von drei Mona­ten ihre Kan­di­da­ten vor­zu­schla­gen. Der Gene­ral­se­kre­tär legt eine alpha­be­ti­sche Lis­te aller auf die­se Wei­se vor­ge­schla­ge­nen Per­so­nen unter Anga­be der Ver­trags­staa­ten vor, die sie vor­ge­schla­gen haben.

Arti­kel 7

  1. Die Mit­glie­der des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on wer­den auf fol­gen­de Wei­se gewählt:
    1. In ers­ter Linie wird dar­auf geach­tet, dass die Vor­aus­set­zun­gen und Kri­te­ri­en aus Arti­kel 5 die­ses Pro­to­kolls erfüllt sind;
    2. die ers­te Wahl fin­det spä­tes­tens sechs Mona­te nach Inkraft­tre­ten die­ses Pro­to­kolls statt;
    3. die Ver­trags­staa­ten wäh­len die Mit­glie­der des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on in gehei­mer Wahl;
    4. die Wahl der Mit­glie­der des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on fin­det alle zwei Jah­re in vom Gene­ral­se­kre­tär ein­be­ru­fe­nen Ver­samm­lun­gen der Ver­trags­staa­ten statt. In die­sen Ver­samm­lun­gen, die beschluss­fä­hig sind, wenn zwei Drit­tel der Ver­trags­staa­ten ver­tre­ten sind, gel­ten die­je­ni­gen Kan­di­da­ten als in den Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on gewählt, wel­che die höchs­te Stim­men­zahl und die abso­lu­te Stim­men­mehr­heit der anwe­sen­den und abstim­men­den Ver­tre­ter der Ver­trags­staa­ten auf sich ver­ei­ni­gen.
  2. Sind in dem Wahl­vor­gang zwei Ange­hö­ri­ge eines Ver­trags­staa­tes als Mit­glie­der des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on gewählt wor­den, so wird der Kan­di­dat mit der höhe­ren Stim­men­zahl Mit­glied des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on. Haben die bei­den Kan­di­da­ten die­sel­be Stim­men­zahl erhal­ten, so kommt fol­gen­des Ver­fah­ren zur Anwen­dung:
    1. Wur­de nur einer der bei­den von dem Ver­trags­staat, des­sen Ange­hö­ri­ger er ist, als Kan­di­dat vor­ge­schla­gen, so wird er Mit­glied des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on;
    2. wur­den bei­de Kan­di­da­ten von dem Ver­trags­staat vor­ge­schla­gen, des­sen Ange­hö­ri­ge sie sind, so wird in gehei­mer Wahl geson­dert ermit­telt, wel­cher Staats­an­ge­hö­ri­ge Mit­glied wird;
    3. wur­de kei­ner der Kan­di­da­ten von dem Ver­trags­staat vor­ge­schla­gen, des­sen Ange­hö­ri­ger er ist, so wird in gehei­mer Wahl geson­dert ermit­telt, wel­cher Kan­di­dat Mit­glied wird.

Arti­kel 8

Stirbt ein Mit­glied des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on, tritt es zurück oder kann es aus irgend­ei­nem ande­ren Grund sei­ne Auf­ga­ben nicht mehr wahr­neh­men, so schlägt der Ver­trags­staat, der das Mit­glied vor­ge­schla­gen hat, vor­be­halt­lich der Zustim­mung der Mehr­heit der Ver­trags­staa­ten, für die Zeit bis zur nächs­ten Ver­samm­lung der Ver­trags­staa­ten eine ande­re geeig­ne­te Per­son vor, die über die Befä­hi­gun­gen ver­fügt und die Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, die in Arti­kel 5 beschrie­ben sind; er berück­sich­tigt dabei, dass die ver­schie­de­nen Fach­ge­bie­te ange­mes­sen ver­tre­ten sein müs­sen. Die Zustim­mung gilt als erteilt, sofern sich nicht min­des­tens die Hälf­te der Ver­trags­staa­ten bin­nen sechs Wochen, nach­dem sie vom Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen von der vor­ge­schla­ge­nen Ernen­nung unter­rich­tet wur­den, dage­gen aus­spricht.

Arti­kel 9

Die Mit­glie­der des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on wer­den für vier Jah­re gewählt. Auf erneu­ten Vor­schlag kön­nen sie ein­mal wie­der­ge­wählt wer­den. Die Amts­zeit der Hälf­te der bei der ers­ten Wahl gewähl­ten Mit­glie­der läuft nach zwei Jah­ren ab; unmit­tel­bar nach der ers­ten Wahl wer­den die Namen die­ser Mit­glie­der vom Vor­sit­zen­den der in Arti­kel 7 Absatz 1 Buch­sta­be d genann­ten Ver­samm­lung durch das Los bestimmt.

Arti­kel 10

  1. Der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on wählt sei­nen Vor­stand für zwei Jah­re. Eine Wie­der­wahl der Mit­glie­der des Vor­stands ist zuläs­sig.
  2. Der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on gibt sich eine Geschäfts­ord­nung. Die­se Geschäfts­ord­nung muss unter ande­rem fol­gen­de Bestim­mun­gen ent­hal­ten:
    1. der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on ist bei Anwe­sen­heit der Hälf­te plus eines sei­ner Mit­glie­der beschluss­fä­hig;
    2. der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on fasst sei­ne Beschlüs­se mit der Mehr­heit der anwe­sen­den Mit­glie­der;
    3. die Sit­zun­gen des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on fin­den unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit statt.
  3. Der Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen beruft die ers­te Sit­zung des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on ein. Nach sei­ner ers­ten Sit­zung tritt der Unter­aus­schuss zu den in sei­ner Geschäfts­ord­nung vor­ge­se­he­nen Zei­ten zusam­men. Der Unter­aus­schuss und der Aus­schuss gegen Fol­ter tagen min­des­tens ein­mal jähr­lich gleich­zei­tig.

Teil III Man­dat des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on

Arti­kel 11

  1. Der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on:
    1. wird die in Arti­kel 4 genann­ten Orte besu­chen und den Ver­trags­staa­ten Emp­feh­lun­gen betref­fend den Schutz von Per­so­nen, denen die Frei­heit ent­zo­gen ist, vor Fol­ter und ande­rer grau­sa­mer, unmensch­li­cher oder ernied­ri­gen­der Behand­lung oder Stra­fe unter­brei­ten;
    2. wird in Bezug auf die natio­na­len Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­men:
      1. die Ver­trags­staa­ten erfor­der­li­chen­falls bei deren Ein­rich­tung bera­ten und unter­stüt­zen,
      2. unmit­tel­ba­re und erfor­der­li­chen­falls ver­trau­li­che Kon­tak­te zu den natio­na­len Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­men pfle­gen und ihnen Aus­bil­dungs­hil­fe und tech­ni­sche Hil­fe zur Stär­kung ihrer Leis­tungs­fä­hig­keit anbie­ten,
      3. sie bei der Bestim­mung der Not­wen­dig­kei­ten und der Mit­tel, die erfor­der­lich sind, um den Schutz von Per­so­nen, denen die Frei­heit ent­zo­gen ist, vor Fol­ter und ande­rer grau­sa­mer, unmensch­li­cher oder ernied­ri­gen­der Behand­lung oder Stra­fe zu ver­stär­ken, bera­ten und unter­stüt­zen,
      4. den Ver­trags­staa­ten Emp­feh­lun­gen und Bemer­kun­gen mit dem Ziel der Stär­kung der Leis­tungs­fä­hig­keit und des Auf­trags der natio­na­len Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­men zur Ver­hü­tung von Fol­ter und ande­rer grau­sa­mer, unmensch­li­cher oder ernied­ri­gen­der Behand­lung oder Stra­fe unter­brei­ten;
    3. arbei­tet zur Ver­hü­tung von Fol­ter im All­ge­mei­nen mit den zustän­di­gen Orga­nen und Mecha­nis­men der Ver­ein­ten Natio­nen sowie mit den inter­na­tio­na­len, regio­na­len und natio­na­len Ein­rich­tun­gen und Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men, die auf die Stär­kung des Schut­zes von Per­so­nen vor Fol­ter und ande­rer grau­sa­mer, unmensch­li­cher oder ernied­ri­gen­der Behand­lung oder Stra­fe hin­wir­ken.

     

    Arti­kel 12

    1. Um dem Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on sein in Arti­kel 11 beschrie­be­nes Man­dat zu ermög­li­chen, ver­pflich­ten sich die Ver­trags­staa­ten:
      1. den Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on in ihr Hoheits­ge­biet ein­rei­sen zu las­sen und ihm Zugang zu allen in Arti­kel 4 bezeich­ne­ten Orten der Frei­heits­ent­zie­hung zu gestat­ten;
      2. dem Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on alle rele­van­ten Infor­ma­tio­nen zu geben, die die­ser ver­langt, um die Bedürf­nis­se und die Mass­nah­men, die ergrif­fen wer­den sol­len, um den Schutz von Per­so­nen, denen die Frei­heit ent­zo­gen ist, vor Fol­ter und ande­rer grau­sa­mer, unmensch­li­cher oder ernied­ri­gen­der Behand­lung oder Stra­fe zu ver­stär­ken, beur­tei­len zu kön­nen;
      3. Kon­tak­te zwi­schen dem Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on und den natio­na­len Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­men zu för­dern und zu erleich­tern;
      4. die Emp­feh­lun­gen des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on zu prü­fen und mit ihm in einen Dia­log über mög­li­che Mass­nah­men ihrer Umset­zung ein­zu­tre­ten.

       

      Arti­kel 13

      1. Der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on erstellt, zunächst durch Los, ein Pro­gramm regel­mäs­si­ger Besu­che in den Ver­trags­staa­ten, um sei­nen in Arti­kel 11 beschrie­be­nes Auf­trag zu erfül­len.
      2. Nach Bera­tun­gen teilt der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on den Ver­trags­staa­ten sein Pro­gramm mit, damit die­se unver­züg­lich die erfor­der­li­chen prak­ti­schen Vor­keh­run­gen für die durch­zu­füh­ren­den Besu­che tref­fen kön­nen.
      3. Die Besu­che wer­den von min­des­tens zwei Mit­glie­dern des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on durch­ge­führt. Die­se Mit­glie­der kön­nen sich erfor­der­li­chen­falls von Sach­ver­stän­di­gen mit nach­ge­wie­se­ner beruf­li­cher Erfah­rung und Kennt­nis­sen auf den von die­sem Pro­to­koll erfass­ten Gebie­ten beglei­ten las­sen, die aus einer Lis­te von Sach­ver­stän­di­gen aus­ge­wählt wer­den, die auf der Grund­la­ge von Vor­schlä­gen der Ver­trags­staa­ten, des Amtes des Hohen Kom­mis­sars der Ver­ein­ten Natio­nen für Men­schen­rech­te und des Zen­trums für inter­na­tio­na­le Ver­bre­chens­ver­hü­tung der Ver­ein­ten Natio­nen erstellt wird. Zur Erstel­lung die­ser Lis­te schla­gen die betref­fen­den Ver­trags­staa­ten nicht mehr als fünf natio­na­le Sach­ver­stän­di­ge vor. Der betref­fen­de Ver­trags­staat kann die Betei­li­gung eines bestimm­ten Sach­ver­stän­di­gen an dem Besuch ableh­nen, wor­auf­hin der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on einen ande­ren Sach­ver­stän­di­gen vor­schlägt.
      4. Hält der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on es für ange­bracht, so kann er nach einem regel­mäs­si­gen Besuch einen kur­zen Anschluss­be­such vor­schla­gen.

       

      Arti­kel 14

      1. Um dem Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on die Erfül­lung sei­nes Auf­trags zu ermög­li­chen, ver­pflich­ten sich die Ver­trags­staa­ten:
        1. ihm unbe­schränk­ten Zugang zu allen Infor­ma­tio­nen zu gewäh­ren, wel­che die Anzahl der Per­so­nen, denen an Orten der Frei­heits­ent­zie­hung im Sin­ne von Arti­kel 4 die Frei­heit ent­zo­gen ist, sowie die Anzahl die­ser Orte und ihre Lage betref­fen;
        2. ihm unbe­schränk­ten Zugang zu allen Infor­ma­tio­nen zu gewäh­ren, wel­che die Behand­lung die­ser Per­so­nen und die Bedin­gun­gen ihrer Frei­heits­ent­zie­hung betref­fen;
        3. ihm vor­be­halt­lich des Absat­zes 2 unbe­schränk­ten Zugang zu allen Orten der Frei­heits­ent­zie­hung und deren Anla­gen und Ein­rich­tun­gen zu gewäh­ren;
        4. ihm die Mög­lich­keit zu geben, sich mit Per­so­nen, denen die Frei­heit ent­zo­gen ist, ent­we­der direkt oder, soweit dies erfor­der­lich erscheint, über einen Dol­met­scher, sowie mit jeder ande­ren Per­son, von wel­cher der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on annimmt, dass sie ihm sach­dien­li­che Aus­künf­te geben kann, ohne Zeu­gen zu unter­hal­ten;
        5. ihm die Ent­schei­dung dar­über zu über­las­sen, wel­che Orte er besu­chen und mit wel­chen Per­so­nen er sich unter­hal­ten möch­te.
      2. Ein­wän­de gegen einen Besuch an einem bestimm­ten Ort der Frei­heits­ent­zie­hung kön­nen nur aus drin­gen­den und zwin­gen­den Grün­den der natio­na­len Ver­tei­di­gung oder der öffent­li­chen Sicher­heit, wegen Natur­ka­ta­stro­phen oder schwe­rer Stö­run­gen der Ord­nung an dem zu besu­chen­den Ort, die vor­über­ge­hend die Durch­füh­rung eines sol­chen Besuchs ver­hin­dern, erho­ben wer­den. Das Vor­lie­gen eines erklär­ten Not­stands allein darf von einem Ver­trags­staat nicht als Grund für einen Ein­wand gegen einen Besuch gel­tend gemacht wer­den.

       

      Arti­kel 15

      Behör­den oder Amts­trä­ger dür­fen kei­ne Sank­tio­nen gegen eine Per­son oder Orga­ni­sa­ti­on anord­nen, anwen­den, erlau­ben oder dul­den, weil die­se dem Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on oder sei­nen Mit­glie­dern Aus­künf­te erteilt hat, unab­hän­gig davon, ob die­se Aus­künf­te rich­tig oder falsch waren; eine sol­che Per­son oder Orga­ni­sa­ti­on darf auch sonst in kei­ner Wei­se benach­tei­ligt wer­den.

       

      Arti­kel 16

      1. Der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on teilt dem Ver­trags­staat und gege­be­nen­falls dem natio­na­len Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­mus sei­ne Emp­feh­lun­gen und Bemer­kun­gen ver­trau­lich mit.
      2. Der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on ver­öf­fent­licht sei­nen Bericht zusam­men mit einer etwai­gen Stel­lung­nah­me des betref­fen­den Ver­trags­staats, wenn die­ser dar­um ersucht. Macht der Ver­trags­staat einen Teil des Berichts öffent­lich zugäng­lich, so kann der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on den Bericht ganz oder teil­wei­se ver­öf­fent­li­chen. Per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten dür­fen jedoch nur mit aus­drück­li­cher Zustim­mung der betref­fen­den Per­son ver­öf­fent­licht wer­den.
      3. Der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on legt dem Aus­schuss gegen Fol­ter jähr­lich einen öffent­li­chen Tätig­keits­be­richt vor.
      4. Lehnt ein Ver­trags­staat es ab, mit dem Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on nach den Arti­keln 12 und 14 zusam­men­zu­ar­bei­ten oder Mass­nah­men zu tref­fen, um die Lage im Sin­ne der Emp­feh­lun­gen des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on zu ver­bes­sern, so kann der Aus­schuss gegen Fol­ter auf Antrag des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on mit der Mehr­heit sei­ner Mit­glie­der beschlies­sen, eine öffent­li­che Erklä­rung in der Sache abzu­ge­ben oder den Bericht des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on zu ver­öf­fent­li­chen, nach­dem der Ver­trags­staat Gele­gen­heit hat­te, sich zu äus­sern.

       

      Teil IV Natio­na­le Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­men

      Arti­kel 17

      Jeder Ver­trags­staat unter­hält, bezeich­net oder schafft spä­tes­tens ein Jahr nach Inkraft­tre­ten die­ses Pro­to­kolls oder nach sei­ner Rati­fi­ka­ti­on oder dem Bei­tritt zu ihm einen oder meh­re­re unab­hän­gi­ge natio­na­le Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­men zur Ver­hü­tung von Fol­ter auf inner­staat­li­cher Ebe­ne. Durch dezen­tra­li­sier­te Ein­hei­ten geschaf­fe­ne Mecha­nis­men kön­nen für die Zwe­cke die­ses Pro­to­kolls als natio­na­le Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­men bezeich­net wer­den, wenn sie den Bestim­mun­gen des Pro­to­kolls ent­spre­chen.

       

      Arti­kel 18

      1. Die Ver­trags­staa­ten garan­tie­ren die funk­tio­na­le Unab­hän­gig­keit der natio­na­len Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­men sowie die Unab­hän­gig­keit von deren Per­so­nal.
      2. Die Ver­trags­staa­ten tref­fen die erfor­der­li­chen Mass­nah­men, um sicher­zu­stel­len, dass die Sach­ver­stän­di­gen der natio­na­len Mecha­nis­men die erfor­der­li­chen Fähig­kei­ten und Fach­kennt­nis­se auf­wei­sen. Sie bemü­hen sich um eine aus­ge­wo­ge­ne Ver­tre­tung der Geschlech­ter und um eine ange­mes­se­ne Ver­tre­tung der eth­ni­schen Grup­pen und der Min­der­hei­ten des Lan­des.
      3. Die Ver­trags­staa­ten ver­pflich­ten sich, die erfor­der­li­chen Mit­tel für die Arbeit der natio­na­len Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­men zur Ver­fü­gung zu stel­len.
      4. Bei der Schaf­fung der natio­na­len Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­men berück­sich­ti­gen die Ver­trags­staa­ten die Grund­sät­ze, wel­che die Stel­lung natio­na­ler Ein­rich­tun­gen zur För­de­rung und zum Schutz der Men­schen­rech­te betref­fen.

       

      Arti­kel 19

      Den natio­na­len Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­men wird min­des­tens die Befug­nis erteilt:

      1. regel­mäs­sig die Behand­lung von Per­so­nen, denen an Orten der Frei­heits­ent­zie­hung im Sin­ne von Arti­kel 4 die Frei­heit ent­zo­gen ist, mit dem Ziel zu prü­fen, erfor­der­li­chen­falls den Schutz die­ser Per­so­nen vor Fol­ter und ande­rer grau­sa­mer, unmensch­li­cher oder ernied­ri­gen­der Behand­lung oder Stra­fe zu ver­stär­ken;
      2. den zustän­di­gen Behör­den Emp­feh­lun­gen mit dem Ziel zu unter­brei­ten, die Behand­lung und die Bedin­gun­gen der Per­so­nen, denen die Frei­heit ent­zo­gen ist, zu ver­bes­sern und Fol­ter und ande­re grau­sa­me, unmensch­li­che oder ernied­ri­gen­de Behand­lung oder Stra­fe unter Berück­sich­ti­gung der ein­schlä­gi­gen Nor­men der Ver­ein­ten Natio­nen zu ver­hü­ten;
      3. Vor­schlä­ge und Bemer­kun­gen zu bestehen­den oder im Ent­wurf befind­li­chen Rechts­vor­schrif­ten zu unter­brei­ten.

       

      Arti­kel 20

      Um den natio­na­len Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­men die Erfül­lung ihres Auf­trags zu ermög­li­chen, ver­pflich­ten sich die Ver­trags­staa­ten die­ses Pro­to­kolls:

      1. ihnen Zugang zu allen Infor­ma­tio­nen zu gewäh­ren, wel­che die Anzahl der Per­so­nen, denen an Orten der Frei­heits­ent­zie­hung im Sin­ne von Arti­kel 4 die Frei­heit ent­zo­gen ist, sowie die Anzahl die­ser Orte und ihre Lage betref­fen;
      2. ihnen Zugang zu allen Infor­ma­tio­nen zu gewäh­ren, wel­che die Behand­lung die­ser Per­so­nen und die Bedin­gun­gen ihrer Frei­heits­ent­zie­hung betref­fen;
      3. ihnen Zugang zu allen Orten der Frei­heits­ent­zie­hung und deren Anla­gen und Ein­rich­tun­gen zu gewäh­ren;
      4. ihnen die Mög­lich­keit zu geben, sich mit Per­so­nen, denen die Frei­heit ent­zo­gen ist, ent­we­der direkt oder, soweit dies erfor­der­lich erscheint, über einen Dol­met­scher sowie mit jeder ande­ren Per­son, von wel­cher der natio­na­le Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­mus annimmt, dass sie sach­dien­li­che Aus­künf­te geben kann, ohne Zeu­gen zu unter­hal­ten;
      5. ihnen die Ent­schei­dung dar­über zu über­las­sen, wel­che Orte sie besu­chen und mit wel­chen Per­so­nen sie sich unter­hal­ten möch­ten;
      6. ihnen das Recht ein­zu­räu­men, in Kon­takt mit dem Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on zu ste­hen, ihm Infor­ma­tio­nen zu über­mit­teln und mit ihm zusam­men­zu­tref­fen.

       

      Arti­kel 21

      1. Behör­den oder Amts­trä­ger dür­fen kei­ne Sank­tio­nen gegen eine Per­son oder Orga­ni­sa­ti­on anord­nen, anwen­den, erlau­ben oder dul­den, weil die­se dem natio­na­len Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­mus Aus­künf­te erteilt hat, unab­hän­gig davon, ob die­se rich­tig oder falsch waren; eine sol­che Per­son oder Orga­ni­sa­ti­on darf auch sonst in kei­ner Wei­se benach­tei­ligt wer­den.
      2. Ver­trau­li­che Infor­ma­tio­nen, die vom natio­na­len Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­mus gesam­melt wer­den, sind geschützt. Per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten dür­fen ohne die aus­drück­li­che Zustim­mung der betref­fen­den Per­son nicht ver­öf­fent­licht wer­den.

       

      Arti­kel 22

      Die zustän­di­gen Behör­den des betref­fen­den Ver­trags­staa­tes prü­fen die Emp­feh­lun­gen des natio­na­len Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­mus und tre­ten mit ihm in einen Dia­log über mög­li­che Mass­nah­men zu ihrer Umset­zung ein.

       

      Arti­kel 23
      Die Ver­trags­staa­ten die­ses Pro­to­kolls ver­pflich­ten sich, die Jah­res­be­rich­te der natio­na­len Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­men zu ver­öf­fent­li­chen und zu ver­brei­ten.

       

      Teil V Erklä­rung

      Arti­kel 24

      1. Die Ver­trags­staa­ten kön­nen bei der Rati­fi­ka­ti­on erklä­ren, dass sie die Erfül­lung ihrer Ver­pflich­tun­gen nach Teil III oder Teil IV die­ses Pro­to­kolls auf­schie­ben.
      2. Die­ser Auf­schub gilt höchs­tens für drei Jah­re. Nach gebüh­ren­den Aus­füh­run­gen durch den Ver­trags­staat und Kon­sul­ta­ti­on des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on kann der Aus­schuss gegen Fol­ter die­sen Zeit­raum um wei­te­re zwei Jah­re ver­län­gern.

       

      Teil VI Finan­zi­el­le Bestim­mun­gen

      Arti­kel 25

      1. Die Kos­ten, die durch den Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on bei der Durch­füh­rung die­ses Pro­to­kolls ent­ste­hen, wer­den von den Ver­ein­ten Natio­nen getra­gen.
      2. Der Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen stellt das Per­so­nal und die Ein­rich­tun­gen zur Ver­fü­gung, die der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on für die wirk­sa­me Erfül­lung der von ihm nach die­sem Pro­to­koll wahr­zu­neh­men­den Auf­ga­ben benö­tigt.

       

      Arti­kel 26

      1. In Über­ein­stim­mung mit den ein­schlä­gi­gen Ver­fah­ren der Gene­ral­ver­samm­lung wird ein nach der Finanz­ord­nung der Ver­ein­ten Natio­nen zu ver­wal­ten­der Son­der­fonds ein­ge­rich­tet, der dazu bei­tra­gen soll, die Umset­zung der Emp­feh­lun­gen, die der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on einem Ver­trags­staat nach einem Besuch unter­brei­tet, sowie Bil­dungs­pro­gram­me der natio­na­len Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­men zu finan­zie­ren.
      2. Der Son­der­fonds kann durch frei­wil­li­ge Bei­trä­ge von Regie­run­gen, zwi­schen­staat­li­chen sowie nicht­staat­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen und ande­ren pri­va­ten oder öffent­li­chen Stel­len finan­ziert wer­den.

       

      Teil VII Schluss­be­stim­mun­gen

      Arti­kel 27

      1. Die­ses Pro­to­koll liegt für jeden Staat, der das Über­ein­kom­men unter­zeich­net hat, zur Unter­zeich­nung auf.
      2. Die­ses Pro­to­koll bedarf der Rati­fi­ka­ti­on, die von allen Staa­ten vor­ge­nom­men wer­den kann, die das Über­ein­kom­men rati­fi­ziert haben oder ihm bei­getre­ten sind. Die Rati­fi­ka­ti­ons­ur­kun­den wer­den beim Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen hin­ter­legt.
      3. Die­ses Pro­to­koll steht für jeden Staat, der das Über­ein­kom­men rati­fi­ziert hat oder ihm bei­getre­ten ist, zum Bei­tritt offen.
      4. Der Bei­tritt erfolgt durch Hin­ter­le­gung einer Bei­tritts­ur­kun­de beim Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen.
      5. Der Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen unter­rich­tet alle Staa­ten, die die­ses Pro­to­koll unter­zeich­net haben oder ihm bei­getre­ten sind, von der Hin­ter­le­gung jeder Rati­fi­ka­ti­ons- oder Bei­tritts­ur­kun­de.

       

      Arti­kel 28

      1. Die­ses Pro­to­koll tritt am dreis­sigs­ten Tag nach Hin­ter­le­gung der zwan­zigs­ten Rati­fi­ka­ti­ons- oder Bei­tritts­ur­kun­de beim Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen in Kraft.
      2. Für jeden Staat, der nach Hin­ter­le­gung der zwan­zigs­ten Rati­fi­ka­ti­ons- oder Bei­tritts­ur­kun­de die­ses Pro­to­koll rati­fi­ziert oder ihm bei­tritt, tritt es am dreis­sigs­ten Tag nach Hin­ter­le­gung sei­ner eige­nen Rati­fi­ka­ti­ons- oder Bei­tritts­ur­kun­de in Kraft.

       

      Arti­kel 29

      Die­ses Pro­to­koll gilt ohne Ein­schrän­kun­gen oder Aus­nah­men für alle Tei­le eines Bun­des­staa­tes.

       

      Arti­kel 30

      Vor­be­hal­te zu die­sem Pro­to­koll sind nicht zuläs­sig.

       

      Arti­kel 31

      Die­ses Pro­to­koll berührt nicht die Ver­pflich­tun­gen von Ver­trags­staa­ten aus regio­na­len Über­ein­kom­men, durch die ein Sys­tem von Besu­chen an Orten der Frei­heits­ent­zie­hung geschaf­fen wird. Der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on und die nach sol­chen regio­na­len Über­ein­kom­men ein­ge­rich­te­ten Stel­len sind auf­ge­for­dert, sich zu ver­stän­di­gen und zusam­men­zu­ar­bei­ten, um Dop­pel­ar­beit zu ver­mei­den und die Zie­le die­ses Pro­to­kolls wirk­sam zu för­dern.

       

      Arti­kel 32

      Die­ses Pro­to­koll berührt nicht die Ver­pflich­tun­gen der Ver­trags­staa­ten aus den vier Gen­fer Abkom­men vom 12. August 19491 und den Zusatz­pro­to­kol­len dazu vom 8. Juni 19772 oder die Mög­lich­keit eines Ver­trags­staats, dem Inter­na­tio­na­len Komi­tee vom Roten Kreuz in Situa­tio­nen, die nicht unter das huma­ni­tä­re Völ­ker­recht fal­len, den Besuch von Orten der Frei­heits­ent­zie­hung zu erlau­ben.

       

      Arti­kel 33

      1. Jeder Ver­trags­staat kann die­ses Pro­to­koll jeder­zeit durch schrift­li­che Noti­fi­ka­ti­on an den Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen kün­di­gen; die­ser unter­rich­tet sodann die ande­ren Ver­trags­staa­ten die­ses Pro­to­kolls und des Über­ein­kom­mens. Die Kün­di­gung wird ein Jahr nach Ein­gang der Noti­fi­ka­ti­on beim Gene­ral­se­kre­tär wirk­sam.
      2. Eine sol­che Kün­di­gung ent­hebt den Ver­trags­staat nicht der Ver­pflich­tun­gen, die er auf Grund die­ses Pro­to­kolls hat in Bezug auf Hand­lun­gen oder Situa­tio­nen, die sich vor dem Wirk­sam­wer­den der Kün­di­gung ereig­net haben, oder in Bezug auf Mass­nah­men, die der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on bezüg­lich des betref­fen­den Ver­trags­staa­tes beschlos­sen hat oder beschlies­sen kann; die Kün­di­gung berührt auch nicht die wei­te­re Prü­fung einer Sache, mit wel­cher der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on bereits vor dem Wirk­sam­wer­den der Kün­di­gung befasst war.
      3. Nach dem Tag, an dem die Kün­di­gung des Ver­trags­staa­tes wirk­sam wird, darf der Unter­aus­schuss für Prä­ven­ti­on nicht mit der Prü­fung einer neu­en die­sen Staat betref­fen­den Sache begin­nen.

       

      Arti­kel 34

      1. Jeder Ver­trags­staat die­ses Pro­to­kolls kann eine Ände­rung vor­schla­gen und sei­nen Vor­schlag beim Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen ein­rei­chen. Der Gene­ral­se­kre­tär über­mit­telt sodann den Ände­rungs­vor­schlag den Ver­trags­staa­ten die­ses Pro­to­kolls mit der Auf­for­de­rung, ihm mit­zu­tei­len, ob sie eine Kon­fe­renz der Ver­trags­staa­ten zur Bera­tung und Abstim­mung über den Vor­schlag befür­wor­ten. Befür­wor­tet inner­halb von vier Mona­ten nach dem Datum der Über­mitt­lung wenigs­tens ein Drit­tel der Ver­trags­staa­ten eine sol­che Kon­fe­renz, so beruft der Gene­ral­se­kre­tär die Kon­fe­renz unter Schirm­herr­schaft der Ver­ein­ten Natio­nen ein. Jede Ände­rung, die mit Zwei­drit­tel­mehr­heit der auf der Kon­fe­renz anwe­sen­den und abstim­men­den Ver­trags­staa­ten beschlos­sen wird, wird vom Gene­ral­se­kre­tär allen Ver­trags­staa­ten zur Annah­me vor­ge­legt.
      2. Eine nach Absatz 1 beschlos­se­ne Ände­rung tritt in Kraft, wenn zwei Drit­tel der Ver­trags­staa­ten die­ses Pro­to­kolls sie nach Mass­ga­be der in ihrer Ver­fas­sung vor­ge­se­he­nen Ver­fah­ren ange­nom­men haben.
      3. Tre­ten die Ände­run­gen in Kraft, so sind sie für die Ver­trags­staa­ten, die sie ange­nom­men haben, ver­bind­lich, wäh­rend für die ande­ren Ver­trags­staa­ten wei­ter­hin die Bestim­mun­gen die­ses Pro­to­kolls und alle frü­her von ihnen ange­nom­me­nen Ände­run­gen gel­ten.

       

      Arti­kel 35

      Mit­glie­der des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on und der natio­na­len Prä­ven­ti­ons­me­cha­nis­men genies­sen die für die unab­hän­gi­ge Wahr­neh­mung ihrer Auf­ga­ben erfor­der­li­chen Vor­rech­te und Immu­ni­tä­ten. Mit­glie­der des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on genies­sen die Vor­rech­te und Immu­ni­tä­ten, die in Abschnitt 22 des Über­ein­kom­mens vom 13. Febru­ar 19461 über die Vor­rech­te und Immu­ni­tä­ten der Ver­ein­ten Natio­nen vor­be­halt­lich des Abschnitts 23 die­ses Über­ein­kom­mens vor­ge­se­hen sind.

       

      Arti­kel 36

      Besu­chen die Mit­glie­der des Unter­aus­schus­ses für Prä­ven­ti­on einen Ver­trags­staat, so haben sie unbe­scha­det der Bestim­mun­gen und Zie­le die­ses Pro­to­kolls sowie der Vor­rech­te und Immu­ni­tä­ten, die sie genies­sen:

      1. die Geset­ze und sons­ti­gen Vor­schrif­ten des besuch­ten Staa­tes zu ach­ten; und
      2. jede Mass­nah­me oder Hand­lung zu unter­las­sen, die mit der Unpar­tei­lich­keit und dem inter­na­tio­na­len Cha­rak­ter ihrer Pflich­ten unver­ein­bar ist.

       

      Arti­kel 37

      1. Die­ses Pro­to­koll, des­sen ara­bi­scher, chi­ne­si­scher, eng­li­scher, fran­zö­si­scher, rus­si­scher und spa­ni­scher Wort­laut glei­cher­mas­sen ver­bind­lich ist, wird beim Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen hin­ter­legt.
      2. Der Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen über­mit­telt allen Staa­ten beglau­big­te Abschrif­ten die­ses Pro­to­kolls.

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